Samstag, 7. Januar 2017

Genießen ohne Zucker: Schokokugeln, Haferkekse und ungeahnte Möglichkeiten


Es ist wieder die Zeit des Jahres, in der alle zu besseren Menschen werden. Zu Nichtrauchern, zu regelmäßigen Sportlern, zu schlanken Diätdurchziehern. Dieser Text hat allerdings nichts mit guten Vorsätzen zu tun zumindest nicht mit meinen. Denn ich habe schon vor einigen Monaten meine Ernährung umgestellt, ganz ohne ersten Januar und große Verkündung. Aus verschiedenen Gründen, auf die ich vielleicht später mal eingehe, habe ich unter anderem Zucker und Weißmehl von meinem normalen Speiseplan gestrichen. Schon vorher habe ich versucht, darauf zu verzichen - im Rahmen von Low Carb und kalorienarmer Ernährung hat sich das automatisch ergeben. Das hieß aber auch: Ich habe reduziert. Alle süßen und gebackenen Dinge gemieden, durch Obst, Gemüse oder gar nichts ersetzt. 

Jetzt weiß ich: Das geht auch anders. Ich kann mir was gönnen und meinem Körper gleichzeitig Gutes tun, ihm die Nährstoffe geben, die er braucht. Nährstoffe, die Cola Zero nicht enthält, auch wenn sie nicht dick macht und deshalb jahrelang fest in meinen Tag integriert war. Seit ich mich damit beschäftige, ist das Internet voll von gesunden und richtig geilen Rezepten und mein Vorratsschrank voller Möglichkeiten. Die habe ich zu Weihnachten voll ausgeschöpft und eigentlich hätte das ein Gesund-durch-Weihnachten-Post werden sollen. Aber dann kam irgendwas dazwischen, genauer gesagt: die Weihnachtszeit. Aber ich möchte diese Rezepte unbedingt mit der Welt teilen und vielleicht sind da draußen ja tatsächlich Menschen, die 2017 weniger Zucker essen und gesund naschen (was ein 90er-Wort, aber mir fällt gerade kein besseres ein) wollen. Mich haben unter anderem diese Kugeln und Kekse durch Weihnachten begleitet und zwar so gut, dass mir alle anderen Plätzchen, Kuchen und Pralinen ganz egal waren. 


Beginnen wir mit den Kugeln, die gern auch Energy Balls, Energiebällchen oder gesunde Pralinen genannt werden. Superlecker, superintensiv, superschnell gemacht. Und vor allem: Bei den Zutaten so flexibel, dass man eigentlich gar kein Rezept braucht. Ich liefer einfach einen Vorschlag. 

Zutaten: 2 Tassen getrocknete Datteln, 1 Tasse gehackte Walnüsse, 1 EL Rohkakao, ein paar Kokosraspeln. (Wahlweise gehen auch alle anderen Sorten getrocknete Früchte und Nüsse im Verhältnis 2:1) 

Zubereitung: Die Nüsse im Mixer zerkleinern, dann in einer Schüssel beiseitestellen. Jetzt die Datteln im Mixer zu Brei verarbeiten (klingt je nach Modell einfacher, als es ist...), dann die Nüsse und den Kakao dazu geben. Weitermixen, bis die Masse halbwegs homogen ist. Dann mit den Händen zu Kugeln formen, in Kakao oder Kokosraspeln wälzen und zum Härten eine Weile in den Kühlschrank stellen. Dort sollte man sie im Anschluss auch aufbewahren, sie halten sich locker eine Woche. 

Weiter gehts' mit den Haferflocken-Dattel-Keksen, die im Ursprungsrezept eigentlich Müsliriegel sind...
 
Zutaten: 250 g Haferflocken, 130 g Datteln, 3 reife Bananen, 70 g geschmolzenes Kokosöl, 1 EL gehackte Mandeln, 1 EL gehackte Walnüsse , 1 EL Kakaonibs, 1 TL Zimt (wenn's noch etwas winterlich schmecken soll)

Zubereitung: Ofen auf 170 Grad Umluft vorheizen, die Datteln im Mixer zu Mus verarbeiten. Die Bananen mit einer Gabel zerdrücken, dann alle Zutaten in eine Schüssel geben und mit dem Handmixer verrühren. Die Masse auf ein Backblech mit Backpapier geben und mit den Händen auf etwa 1 Zentimeter Dicke plattdrücken. Etwa 25 Minuten backen, dann komplett auskühlen lassen und in kleine Rauten schneiden. Ebenfalls im Kühlschrank aufbewahren.


Zusätzlich gab es bei mir sogar noch einen ziemlich geilen Brownie, den ich grob nach diesem Rezept gebacken habe und scharf geröstete Nüsse, zu denen ich hier inspiriert wurde. Alles Dinge voll mit guten Inhaltsstoffen. Alles Dinge, die sogar satt machen. Alles Dinge, an denen man sich nicht überfrisst die aber trotzdem glücklich machen. Wenn ich tatsächlich mal Leuten erzähle, dass ich möglichst keinen Zucker esse, gucken viele mitleidig. Oder so, als würden sie sich mein Leben in Askese fern von allen Genüssen vorstellen. Ein ganz großes Missverständnis, dem ich ein Ende setzen will. Deshalb verbreite ich die Botschaft von gesundem geilen Essen hier weiter. Und vielleicht helfe ich ja sogar jemanden beim Durchhalten der guten Vorsätze.
 

Was auch immer ihr tut, esst oder backt: Habt ein wundervolles Jahr 2017 und genießt es!

Samstag, 3. Dezember 2016

Kleinster Weihnachtsmarkt von Kölle, du bes e Jeföhl

Kleinster Weihnachtsmarkt der Stadt - Köln, Südstadt

Es fühlt sich an, als würden wir uns schon ewig kennen - der kleinste Weihnachtsmarkt der Stadt und ich. Von Anfang an habe ich bei Facebook verfolgt, was dort am Ende meiner Straße geplant ist. Ich habe am Eröffungstag auf dem Heimweg die vielen Menschen und die Musik gehört. Habe schon öfter den kuriosen Mini-Shuttle gesehen, der vom Chlodwigplatz zur Lutherkirche fährt - mit Zwischenstopp beim Pitter, der ein selbstgebasteltes Haltestellenschild vor die Tür gestellt hat. Habe Leuten von alldem erzählt und vom Konzept "Glühwein saufen für eine bessere Welt" geschwärmt. Und trotzdem war ich noch nie da. Bis heute.

Eigentlich hatte ich vor, dort in einem ruhigen Moment vorbeizugehen, mit meiner Kamera ausgerüstet, um ein paar richtig schöne Fotos zu machen. Doch dann landete ich plötzlich am Samstagabend dort. Und hatte nur mein Handy dabei. Nach einem Nachmittag voller Reizüberflutung in der Innenstadt zog es mich einfach dort hin. Ohne groß nachzudenken stieg ich an der Ulrepforte aus, schlenderte durch den winterlichen Nebel über die Volksgartenstraße, deren Bewohner offenbar ein Hang zur Weihnachtsbeleuchtung eint. Und dann ging's in den Kirchen-Innenhof - und der Advents-Shoppting-Stress der Stadt war vergessen.
 
Weihnachtsmarkt an der Lutherkirche, Köln

Keine Überforderung aller Sinne, keine sich schubsenden Massen. Keine Touristen mit Rentierohren, keine kitschigkünstliche Eislaufbahn. Einfach ein paar Buden, handgeschmückte Tannenbäume, völlig entspannte Glühweintrinker, dazwischen Kinder, Hunde - und dazu dezente Musik. Klar, auch das ist ein Weihnachtsmarkt. Und ich muss zugeben, dass ich zwar Weihnachten und Märkte für sich genommen wirklich mag, aber die Kombination aus beidem selten gelungen finde. Überteuerter Kitsch, den niemand braucht. Frittiertes Zeug, das man sonst nie essen würde. Süßer Alkohol, den man am nächsten Tag bereut. 

Vermutlich führt auch der Gute-Zweck-Glühwein der Südstadt zu einem fiesen Kater. Und vielleicht braucht auch niemand bunte Strickmützen im Pokémon-Style. Aber dafür gibt es in einer Bude eine "kleine Speisekammer" - in der das Essen genauso gut aussieht wie in der großen Schwester auf der Alteburger Straße. Dazwischen überall das Logo der KG Ponyhof, die beim Veedelsmarkt ihre Finger im Spiel hat - was immer ein sicheres Indiz ist, dass es läuft. 

Südstadt-Weihnachtsmarkt an der Lutherkirche

Ich habe nur eine kurze Runde gedreht, mit dem Handy ein paar Bilder gemacht, die ich - weil sie eh schon nichts geworden sind - noch schnell mit weiteren Lichteffekten versorgt habe. Ist ja schließlich bald Weihnachten (verzeiht mir). Die Atmosphäre lässt sich ohnehin nicht gut in Fotos packen, vielleicht besser in Worte. 

Mein Gefühl, als ich dem aufgeklebten Ausgang-Schild folgte und mich der wenig benötigte Securitymann freundlich verabschiedete: Selten passte der Name meines Blogs so gut wie hier. Und: Ich würde diesen Weihnachtsmarkt gern in den Arm nehmen.

Mittwoch, 9. November 2016

Ingwershot selbstgemacht: So gut wie bei Kaltpresse, Great Berry und Wndrfuel?

Ingwershot selbstgemacht: Immunboost mit Zitronensaft

Vermutlich gehört sich das nicht. Aber ich werde mich jetzt einfach mal selbst ziteren: 

Ich nehme einen kleinen Schluck und fühle mich wie nach dem Biss in eine eiskalte Zitrone. Augen auf, Rücken gerade, Gehirn voll da. Und die Gewissheit, dass mich heute nichts mehr schocken kann.

So habe ich meine erste Ingwershot-Erfahrung beschrieben, als ich mich für WE ARE CITY durch die fabelhafte Welt von Great Berry testen durfte. Seitdem bin ich angefixt. Ich habe wieder einen gekauft. Und wieder. Allerdings wird mein erster Ingwershot leider im Belgischen Viertel und daher außerhalb meiner täglichen Reichweite verkauft. 

Deshalb bin ich zu Wndrfuel gegangen. Und obwohl ich den Laden wirklich toll finde, das Konzept wunderbar und die Smoothies hervorragend: Beim Ingwershot ist noch Luft nach oben. Sorry, aber der hatte eher den Effekt von Orangensaft: einfach nicht scharf genug. Die Kaltpresse bei mir um die Ecke konnte da schon eher mithalten aber die Zwei-Euro-irgendwas pro Fläschchen gehen irgendwann ins Geld. Also fragte ich mich: Könnte man nicht selbst? Warum eigentlich nicht? Kann doch nicht so schwer sein?

Zutaten für Ingwershots: Ingwer, Zitronensaft, Kurkuma

Ich habe ein wenig gegoogelt und natürlich einige Infos zu diesem aktuellen Trendgetränk gefunden, das ein totaler Immun-Booster sein und im nassfiesen Winter gegen Erkältungsattacken helfen soll. Entschieden habe ich mich für folgende Variante:

Zutaten für zwei Portionen (je 50 ml): 
Frischer Saft von 1,5 Zitronen
Ein großes Stück Ingwer
Ein wenig frischen Kurkuma

Ich weiß, die Mengenangaben sind eher ungenau, aber wenn ihr euch an dem obenstehenden Bild orientiert, bekommt ihr ein Gefühl für meine Menge.

Zubereitung: 
Die Zitrone auspressen. Ingwer und Kurkuma schälen und möglichst fein reiben dann alles miteinander vermengen. Die Flüssigkeit mit einem Pürierstab bearbeiten, bis sie möglichst homogen ist und die Ingwer- und Kurkumastückchen weitgehend aufgelöst sind. In kleine Fläschchen umfüllen und dann am besten kühl lagern. In einigen Rezepten wird auch noch Honig untergemischt, aber ich muss sagen: Ich fand es so ziemlich geil. Scharf natürlich, dieser Shot brennt im Mund. Aber für mich ist das Teil des echten Ingwershot-Gefühls.

Zubereitung von Ingwershots: klappt auch zuhause

Fazit nach Produktionsphase 1: Eigentlich ist der selbstgemachte Kurze fast so gut wie die Profi-Variante. Ich könnte mich dran gewöhnen, meinen persönlichen Ingwershot-Vorrat im Kühlschrank stehen zu haben, vielleicht geh ich damit in Serie. Nur die These, dass mich nach dem Verzehr nichts mehr schocken kann, die muss ich relativieren am Tag, an dem Donald Trump die US-Wahl gewonnen hat. Dieser Irrsinnige kann auch von einer ganzen Armee Ingwershots nicht gestoppt werden. Aber vielleicht immerhin die nächste Erkältung.

Mittwoch, 24. August 2016

Dinkelvollkorn-Superfood-Brot: Schmeckt gut – und fühlt sich auch so an


Ich kann das alles verstehen, wenn es um Smarties geht. Die schmecken geil und die sind künstlich. Punkt. Ich habe sogar anhand einer Smarties-Packung "E"s kennengelernt. Meine Mama hat mir beigebracht: Wenn etwas viele "E"s hat, dann ist es nicht gut. Leuchtet mir ein. Genau wie die Tatsache, dass knallblaue Schokolinsen nicht mit natürlichen Zutaten hergestellt werden. Das weiß man und es ist okay. 

Ich kann das aber gar nicht verstehen, wenn es um Brot geht. Ein gutes Brot braucht nicht viel. Keine Geschmacksverstärker, keine Zusatzstoffe, keine Backmischung, keine Konservierungsmittel. Denn auch die sind nicht gut - auch das hat mir meine Mama mal beigebracht. Vielleicht tue ich den Veedelsbäckern meines Vertrauens Unrecht, wenn ich ihnen unterstelle, dass ihre Brote all diese Dinge enthalten. Das mag sein, aber anstatt nach der Zutatenliste zu fragen, habe ich einfach mal selbst mein allererstes Brot gebacken. Da weiß ich: Es ist voll mit guten Dingen - und voll mit Dingen, die ich mag. Und ich kann euch sagen: Es ist wirklich so einfach, wie in dem Rezept versprochen wurde (an das ich mich nur grob gehalten habe). 

Ehrlich gesagt war es ein Experiment und ich völlig darauf vorbereitet, dass es misslingt. Und dann kam alles anders...

Was ihr dafür braucht:
450 ml lauwarmes Wasser
1 Päckchen Trockenhefe
1-2 EL (Apfel-)essig
1 TL Salz
150 g Samen, Kerne und Nüsse nach Belieben
500 g Dinkelvollkornmehl
1 TL Maca (wenn ihr dem Brot noch Superfoodkräfte verleihen wollt)


Was ihr dafür tun müsst: 
Das Wasser in einer Schüssel mit Hefe, Salz und Essig mischen. Dann die Nüsse und Samen dazu geben. Ich habe vorher eine ziemlich bunte Mischung aus gehackten Walnüssen, Sonnenblumenkernen, Kürbiskernen, Leinsamen und Chiasamen erstellt - mein Lieblingsmix. Jetzt alles mit den Knethaken des Mixers zu einem klebrigen Teig verarbeiten. Laut Ursprungsrezept kann man noch ein wenig Wasser hinzugeben, wenn's zu trocken ist. War bei mir nicht nötig. 

Jetzt füllt ihr die Masse in eine leicht gefettete und gemehlte Kastenform, dann muss der Teig 20 bis 30 Minuten an einem warmen Ort gehen. Ich habe den Backofen kurz vorher auf ca. 50 Grad angemacht und das Brot hineingestellt. Wann genug Zeit vergangen ist, sollte man angeblich daran sehen, dass die Oberfläche glatt und aufgedunsen wirkt. Ich konnte das nicht erkennen, habe aber trotzdem den Ofen auf 180 Grad (Umluft) gestellt und das Brot 50 bis 60 Minuten gebacken. 


Wie beim Kuchenbacken hilft ein Test mit dem Holzstäbchen: Wenn nach 50 Minuten noch Teig kleben bleibt, braucht das Brot noch eine Weile. Bei mir war es nach etwa 55 Minuten gut – und ich völlig neugierig auf das Ergebnis. Bis hierhin war alles glatt gelaufen, fast war ich überzeugt davon, dass beim Lösen aus der Backform etwas schiefläuft. Aber das Brot blieb in der angedachten Form, ließ sich problemlos schneiden – und schmeckt sogar richtig gut. Eigentlich wie vom Bäcker. Nur dass ich weiß, was drin ist. Und mir schon 1000 Dinge überlege, die ich beim nächsten Mal noch ausprobieren will: Nüsse in größeren Stücken untermischen. Vielleicht ein paar getrocknete Datteln dazu. Und eine Körnerschicht von außen anlegen. 


Inspiriert? Dann bindet euch eine Schürze um und die Haare hoch – und fühlt euch ausnahmsweise wie Oldschool-Hausfrauen, die ihre Liebsten mit selbstgebackenem Brot zuhause empfangen. Was mir nur zu spät aufgefallen ist: Mir fehlen die sieben Kinder und zwölf Enkel, die ich mit meinem Werk begeistern kann. Denn das Brot ist riesig (normale Kuchenform eben...) – da kamen wir mit unserem Zweipersonen-Haushalt mit dem Essen gar nicht hinterher. Fürs nächste Mal brauche ich also eine kleinere Backform. Oder eine große Familie – aber so lange wollte ich eigentlich nicht warten.

Freitag, 22. Juli 2016

Drei Tipps für Rom: Morgensonne auf dem Petersdom, Aperitivo in Trastevere – und einfach mal leben



Nein, das ist nicht die Südstadt. Auch nicht Köln, nicht einmal Deutschland. Aber das ist so schön, dass ich einfach darüber schreiben muss. Trastevere: Mein Lieblingsort in Rom. Wäre das italienische Veedel eine eigene Stadt – vielleicht wäre sie sogar die schönste auf meiner ganzen Tour gewesen. Und ich kann euch sagen: In drei Wochen Österreich, Slowenien, Kroatien und Italien habe ich einige gesehen. Ein Fazit für alle: Hipster gibt es überall. Aber in Trastevere, da sind besonders viele von ihnen. Und sie lassen es sich ganz besonders gut gehen. Wenn ich sonst immer das Dolce Vita der Südstadt feiere – jetzt habe ich es zuhause besucht. 

Petersdom: Am frühen Morgen auf die Kuppel  

Aber beginnen wir mit Sightseeing, bevor Vino und Gelato auf uns warten: Der Petersdom, der hat mich wirklich geflasht. Nicht so wie der Trevibrunnen, vor dem sich die Massen drängeln, als würde gleich die Seehundfütterung im Zoo beginnen. Oder die Spanische Treppe, die zwar frisch renoviert hübsch anzusehen ist – aber letztlich nur von ihrem Ruf lebt. Ich könnte 37 Bauwerke, Plätze oder Treppen aufzählen, die in meinen Augen mehr Charme hatten. Aber der Petersdom, der ist der Wahnsinn. 

So viel Prunk, so viel Kunst, so viel Gold, so viel Leuchten. Jedes Mosaiksteinchen strahlt Ehrfurcht und völlige Hingabe bei der Erschaffung dieses Bauwerks aus. Vergessen wir einen Moment den christlichen Hintergrund. Reden wir nicht darüber, dass sogar das Pantheon geplündert wurde, um genug Gold für den Altar zu beschaffen. Genießen wir einfach einen Moment die Schönheit dieser Kirche, dieser Kuppel, dieses Ausblicks. 



Mein Tipp für alle: Steht früh auf, geht früh hin, steigt direkt auf die Kuppel. Wir schlenderten um viertel vor acht gemütlich durch alle Kontrollen, zahlten unsere acht Euro für den Fußweg über rund 500 Stufen nach oben – und genossen wenig später (und etwas fertig) den Ausblick. Die Morgensonne über den unzähligen Kuppeln der ewigen Stadt: das lohnt sich. Genau wie der Blick hinunter ins Innere des Doms, der am frühen Morgen noch nicht von Touristen belagert ist. Dort hinein kommt man direkt von der Kuppel aus: kein neuer Einlass, keine Schlangen. Und dann könnt ihr einfach noch mit großen Augen herumlaufen, alles bestaunen – und euch beim Blick auf die ankommenden Menschenmassen freuen, dass ihr vor ihnen schon so viel gesehen habt.

Aperitivo in Trastevere: „Grazia & Graziella“ / „Freni e Frizioni“

Wir spulen vor bis zum Abend und kehren zurück nach Trastevere (von wo aus übrigens alle Attraktionen zu Fuß erreichbar sind, wenn ihr nicht gerade mit High Heels das Kopfsteinpflaster bezwingen wollt). In dem Viertel links des Tibers kann man eigentlich kaum was falsch machen: In den kleinen Gassen und an den hübschen Plätzen reihen sich Trattorien, Weinlokale und nette Bars aneinander – aber meine Highlights will ich trotzdem verraten: Echt gute italienische Küche haben wir in der „Osteria Numero 6“ genossen, Aperitivo, Abendessen und richtig nette Kellner bei „Grazia & Graziella“.



Aperitivo bedeutet: Drink bestellen und dazu Snacks aufs Haus bekommen.Wer dabei satt werden will, ist bei „Freni e Frizioni“ gut aufgehoben – eine ziemlich hippe Adresse am Anfang des Viertels: In der ehemaligen Autowerkstatt gibt es recht abgefahrene Cocktails und dazu ein Buffet aus Salaten, Humus, Gemüsesticks, Zimtäpfeln und noch viel mehr Dingen. Für die Premiumgetränke werden bis zu zehn Euro fällig, aber zusammen mit dem Essen kann es sich lohnen. 

Fast noch besser als Drinks und Buffet: die Atmosphäre. Auch unter der Woche richtig voll, die meisten Gäste stehen oder sitzen draußen, hocken sich auf Mauern oder Stufen, genießen den Abend und das Leben. Hier scheinen so viele Locals unterwegs zu sein, dass ich als Touri inkognito bleiben wollte – deshalb gibt es keine Fotos. Glaubt mir einfach: schön dort. 

Dolce Vita auf den Plätzen von Trastevere

Ich könnte noch ewig weiterschwärmen, beschränke mich aber auf einen letzten Tipp: Vergesst zwischendurch mal alle Reiseführer, alle Da-müsst-ihr-unbedingt-hin-Läden, alle Stadtpläne. Und lasst euch einfach treiben. Schlendert durch die Gassen, biegt dort ab, wo es euch gefällt, bekommt ein Gefühl für das Leben in dieser Stadt und für die Menschen, die hier wohnen. Zugegeben: Wir bleiben dabei immer die Touris (oder sagen wir besser: die Reisenden), die nur mal kurz vorbeischauen. Aber es fühlt sich echter an und es macht Spaß, einfach mal zu leben. 




Und wenn ihr dann abends zurück nach Trastevere kommt: Holt euch Bier, Wein oder Gelato auf die Hand, setzt euch auf die Brunnenstufen an der Piazza Santa Maria in Trastevere und schaut einfach zu. Dem römischen Leben, dem bunten Treiben, dem – ganz klassischen – Dolce Vita. 

Ich habe mir übrigens sagen lassen, dass die richtig angesagte Szene mittlerweile in Testaccio zu finden ist. Dahin habe ich leider nicht geschafft. Aber ich bin ja auch mehr so Südstadt als Ehrenfeld.

Sonntag, 15. Mai 2016

Lieblingsort – auch ganz allein: Das sabor 'ermoso in der Südstadt

Konzept-Café sabor ermoso in der Kölner Südstadt - Kurfürstenstraße

An meinem 30. Geburtstag hatte ich eine Verabredung mit mir selbst. Also nicht nur: Ich habe morgens meine Kollegen mit Kuchen beglückt und abends mit Freunden gefühlt 17 Flaschen Wein in der fabelhaften Bagatelle geleert. Aber am Nachmittag war ich ganz allein einen Kaffee trinken. Mit Absicht und nicht aus der Not heraus, wie mir manche Menschen mit mitleidigem Blick still unterstellten. Ich finde ja, man sollte das viel öfter machen am besten an einem Lieblingsort wie dem sabor 'ermoso in der Kurfürstenstraße.

Konzept-Café sabor ermoso in der Kölner Südstadt - KurfürstenstraßeKonzept-Café sabor ermoso in der Kölner Südstadt - KurfürstenstraßeKonzept-Café sabor ermoso in der Kölner Südstadt - Kurfürstenstraße


Warum? Weil es hier so gemütlich ist. Weil der Kaffee fantastisch ist. Weil es eine riesige Auswahl an leckeren Wostok-Limos gibt. Weil hier immer so viele Menschen sind, dass man sich nie so richtig allein fühlt aber trotzdem ganz für sich sein kann. Und weil man auf jedem Quadratzentimeter fühlt, dass kein Coffeeshop-Großkonzern dahintersteckt. Sondern dass hier jemand ziemlich viel Liebe investiert hat. Kategorie Traumerfüllung.

Der Laden im Surferstyle hat im letzten Jahr eröffnet und ist ein "Concept Café" hier gibt's nicht nur Kaffee, Kuchen, Bananenbrot und Frühstück, sondern auch Kunst und Events. Die meisten Dinge an der Wand kann man kaufen, regelmäßig veranstalten die Inhaber kleine Konzerte. Sonntagnachmittags und für freien Eintritt.

Konzept-Café sabor ermoso in der Kölner Südstadt - Kurfürstenstraße

Und es gibt im sabor 'ermoso noch eine Sache, die das Café von den vielen anderen des Veedels abhebt: einen Hinterhof. Wenn das Wetter tatsächlich mal schön sein sollte, kann man hier zwischen Backsteinwänden und Surfbrettern sitzen, Milchkaffee und Limo trinken.

Ich weiß gar nicht, ob Limo die richtige Bezeichnung ist aber ich mag das Wort, auch wenn es retro und nach viel Zucker klingt. Die Wostok-Variante Dattel-Granatapfel habe ich bei meinem letzten Besuch im sabor 'ermoso zum ersten Mal probiert. Fazit: Das Zeug ist wahnsinnig süß und ich noch unentschlossen. Während ich trank, dachte ich: Gut, das hast du jetzt mal getestet, das brauchst du nicht wieder. Aber je mehr Zeit vergeht, desto eher denke ich: So schlecht war's gar nicht.

Vielleicht ist es eine dieser Sachen, an die man sich erst gewöhnen muss. Oder doch einer dieser Fehler, den man immer wieder macht?

Konzept-Café sabor ermoso in der Kölner Südstadt - KurfürstenstraßeKonzept-Café sabor ermoso in der Kölner Südstadt - KurfürstenstraßeKonzept-Café sabor ermoso in der Kölner Südstadt - Kurfürstenstraße

Aber ich schweife ab und habe ohnehin genug gesagt den Rest können euch die Bilder erzählen. Oder ihr geht selbst mal vorbei, genießt die Gemütlichkeit, testet das Frühstück, die Scones oder eine Suppe. Klingt doch nach einem angenehmen Arbeitsauftrag und ihr dürft auch ruhig eure Freunde mitnehmen.

Die Alleinreisende auf dem Sessel hinten rechts, die bin dann vermutlich ich.

Mittwoch, 27. April 2016

Ohne Zucker - und fast ein Kuchen! Mein erstes Bananenbrot


Ich entschuldige mich im Vorfeld bei allen Menschen, die mit Rolf Zuckowski aufgewachsen sind (so wie ich). Denn sie werden am Ende dieses Textes einen Ohrwurm haben (so wie ich). 

Eigentlich wollte ich euch hier nicht mehr mit Rezepten nerven, schließlich findet man die im Internet an viel zu vielen Ecken und es gibt noch so viele schöne Dinge aus der Südstadt, über die berichtet werden will. Aber: Dafür müsste ich die Wohnung verlassen, frische Smoothies oder tollen Milchkaffee genießen, neue Fotos schießen, mit Leuten reden. Was ich stattdessen tue: Im Bett liegen, Tee trinken, nach verwendbaren Bildern suchen und still vor mich hintippen. Immerhin proftiert irgendwer davon: das Bananenbrot.


Was ihr dafür braucht: keinen Zucker! Toll, oder? Dafür aber: 3 sehr reife Bananen, 200 g Dinkelmehl (oder Roggen, wie es im Originalrezept steht, das ich in diesem schönen Blog entdeckt hab), 1/2 Teelöffel Zimt, 100 g Apfelmus (pur und ungezuckert), 1 Päckchen Backpulver, 2 Eier, 50 g gehackte Walnüsse. Und in meiner Variante kamen noch eine Handvoll gehackte Datteln dazu - muss aber nicht sein. 

Was ihr dafür tun müsst: Den Ofen auf 180 Grad Umluft vorheizen. Die Bananen mit einer Gabel zu Brei zerdrücken, alle Zutaten bis auf die Walnüsse dazugeben und mixen. Dann die Walnüsse unterheben und alles in eine Kastenform geben (die ihr vorher gemehlt und gefettet oder mit Backpapier ausgelegt habt). Das Brot muss etwa 40 bis 45 Minuten backen, testet am besten mit einem Stäbchen, ob es innen noch sehr matschig ist. Das war bei mir leider der Fall, es hätte noch ein paar Minuten mehr vertragen - aber geschmeckt hat's trotzdem. Und ich wurde sogar nach dem Rezept gefragt. 


Was ihr sonst noch wissen solltet: Ich habe etwas geschummelt. Die Bananen sollten reifer sein als auf dem Bild (aber das sah einfach so unappetitlich aus...) Da ist kein Zucker drin. Überhaupt keiner! Sagte ich das schon? Gut, deshalb heißt es möglicherweise auch Brot und nicht Kuchen. Aber ich habe mein allererstes Bananenbrot an meinem Geburtstag neben Möhren- und Schokokuchen serviert und was soll ich sagen? Ging weg wie nix. Ich könnte es glatt öfter backen - wenn der Ohrwurm nicht so penetrant wäre.

Wer ihn noch nicht hat, den versorge ich jetzt noch mit der passenden Melodie. Viel Spaß damit :-).