Mittwoch, 24. August 2016

Dinkelvollkorn-Superfood-Brot: Schmeckt gut – und fühlt sich auch so an


Ich kann das alles verstehen, wenn es um Smarties geht. Die schmecken geil und die sind künstlich. Punkt. Ich habe sogar anhand einer Smarties-Packung "E"s kennengelernt. Meine Mama hat mir beigebracht: Wenn etwas viele "E"s hat, dann ist es nicht gut. Leuchtet mir ein. Genau wie die Tatsache, dass knallblaue Schokolinsen nicht mit natürlichen Zutaten hergestellt werden. Das weiß man und es ist okay. 

Ich kann das aber gar nicht verstehen, wenn es um Brot geht. Ein gutes Brot braucht nicht viel. Keine Geschmacksverstärker, keine Zusatzstoffe, keine Backmischung, keine Konservierungsmittel. Denn auch die sind nicht gut - auch das hat mir meine Mama mal beigebracht. Vielleicht tue ich den Veedelsbäckern meines Vertrauens Unrecht, wenn ich ihnen unterstelle, dass ihre Brote all diese Dinge enthalten. Das mag sein, aber anstatt nach der Zutatenliste zu fragen, habe ich einfach mal selbst mein allererstes Brot gebacken. Da weiß ich: Es ist voll mit guten Dingen - und voll mit Dingen, die ich mag. Und ich kann euch sagen: Es ist wirklich so einfach, wie in dem Rezept versprochen wurde (an das ich mich nur grob gehalten habe). 

Ehrlich gesagt war es ein Experiment und ich völlig darauf vorbereitet, dass es misslingt. Und dann kam alles anders...

Was ihr dafür braucht:
450 ml lauwarmes Wasser
1 Päckchen Trockenhefe
1-2 EL (Apfel-)essig
1 TL Salz
150 g Samen, Kerne und Nüsse nach Belieben
500 g Dinkelvollkornmehl
1 TL Maca (wenn ihr dem Brot noch Superfoodkräfte verleihen wollt)


Was ihr dafür tun müsst: 
Das Wasser in einer Schüssel mit Hefe, Salz und Essig mischen. Dann die Nüsse und Samen dazu geben. Ich habe vorher eine ziemlich bunte Mischung aus gehackten Walnüssen, Sonnenblumenkernen, Kürbiskernen, Leinsamen und Chiasamen erstellt - mein Lieblingsmix. Jetzt alles mit den Knethaken des Mixers zu einem klebrigen Teig verarbeiten. Laut Ursprungsrezept kann man noch ein wenig Wasser hinzugeben, wenn's zu trocken ist. War bei mir nicht nötig. 

Jetzt füllt ihr die Masse in eine leicht gefettete und gemehlte Kastenform, dann muss der Teig 20 bis 30 Minuten an einem warmen Ort gehen. Ich habe den Backofen kurz vorher auf ca. 50 Grad angemacht und das Brot hineingestellt. Wann genug Zeit vergangen ist, sollte man angeblich daran sehen, dass die Oberfläche glatt und aufgedunsen wirkt. Ich konnte das nicht erkennen, habe aber trotzdem den Ofen auf 180 Grad (Umluft) gestellt und das Brot 50 bis 60 Minuten gebacken. 


Wie beim Kuchenbacken hilft ein Test mit dem Holzstäbchen: Wenn nach 50 Minuten noch Teig kleben bleibt, braucht das Brot noch eine Weile. Bei mir war es nach etwa 55 Minuten gut – und ich völlig neugierig auf das Ergebnis. Bis hierhin war alles glatt gelaufen, fast war ich überzeugt davon, dass beim Lösen aus der Backform etwas schiefläuft. Aber das Brot blieb in der angedachten Form, ließ sich problemlos schneiden – und schmeckt sogar richtig gut. Eigentlich wie vom Bäcker. Nur dass ich weiß, was drin ist. Und mir schon 1000 Dinge überlege, die ich beim nächsten Mal noch ausprobieren will: Nüsse in größeren Stücken untermischen. Vielleicht ein paar getrocknete Datteln dazu. Und eine Körnerschicht von außen anlegen. 


Inspiriert? Dann bindet euch eine Schürze um und die Haare hoch – und fühlt euch ausnahmsweise wie Oldschool-Hausfrauen, die ihre Liebsten mit selbstgebackenem Brot zuhause empfangen. Was mir nur zu spät aufgefallen ist: Mir fehlen die sieben Kinder und zwölf Enkel, die ich mit meinem Werk begeistern kann. Denn das Brot ist riesig (normale Kuchenform eben...) – da kamen wir mit unserem Zweipersonen-Haushalt mit dem Essen gar nicht hinterher. Fürs nächste Mal brauche ich also eine kleinere Backform. Oder eine große Familie – aber so lange wollte ich eigentlich nicht warten.

Freitag, 22. Juli 2016

Drei Tipps für Rom: Morgensonne auf dem Petersdom, Aperitivo in Trastevere – und einfach mal leben



Nein, das ist nicht die Südstadt. Auch nicht Köln, nicht einmal Deutschland. Aber das ist so schön, dass ich einfach darüber schreiben muss. Trastevere: Mein Lieblingsort in Rom. Wäre das italienische Veedel eine eigene Stadt – vielleicht wäre sie sogar die schönste auf meiner ganzen Tour gewesen. Und ich kann euch sagen: In drei Wochen Österreich, Slowenien, Kroatien und Italien habe ich einige gesehen. Ein Fazit für alle: Hipster gibt es überall. Aber in Trastevere, da sind besonders viele von ihnen. Und sie lassen es sich ganz besonders gut gehen. Wenn ich sonst immer das Dolce Vita der Südstadt feiere – jetzt habe ich es zuhause besucht. 

Petersdom: Am frühen Morgen auf die Kuppel  

Aber beginnen wir mit Sightseeing, bevor Vino und Gelato auf uns warten: Der Petersdom, der hat mich wirklich geflasht. Nicht so wie der Trevibrunnen, vor dem sich die Massen drängeln, als würde gleich die Seehundfütterung im Zoo beginnen. Oder die Spanische Treppe, die zwar frisch renoviert hübsch anzusehen ist – aber letztlich nur von ihrem Ruf lebt. Ich könnte 37 Bauwerke, Plätze oder Treppen aufzählen, die in meinen Augen mehr Charme hatten. Aber der Petersdom, der ist der Wahnsinn. 

So viel Prunk, so viel Kunst, so viel Gold, so viel Leuchten. Jedes Mosaiksteinchen strahlt Ehrfurcht und völlige Hingabe bei der Erschaffung dieses Bauwerks aus. Vergessen wir einen Moment den christlichen Hintergrund. Reden wir nicht darüber, dass sogar das Pantheon geplündert wurde, um genug Gold für den Altar zu beschaffen. Genießen wir einfach einen Moment die Schönheit dieser Kirche, dieser Kuppel, dieses Ausblicks. 



Mein Tipp für alle: Steht früh auf, geht früh hin, steigt direkt auf die Kuppel. Wir schlenderten um viertel vor acht gemütlich durch alle Kontrollen, zahlten unsere acht Euro für den Fußweg über rund 500 Stufen nach oben – und genossen wenig später (und etwas fertig) den Ausblick. Die Morgensonne über den unzähligen Kuppeln der ewigen Stadt: das lohnt sich. Genau wie der Blick hinunter ins Innere des Doms, der am frühen Morgen noch nicht von Touristen belagert ist. Dort hinein kommt man direkt von der Kuppel aus: kein neuer Einlass, keine Schlangen. Und dann könnt ihr einfach noch mit großen Augen herumlaufen, alles bestaunen – und euch beim Blick auf die ankommenden Menschenmassen freuen, dass ihr vor ihnen schon so viel gesehen habt.

Aperitivo in Trastevere: „Grazia & Graziella“ / „Freni e Frizioni“

Wir spulen vor bis zum Abend und kehren zurück nach Trastevere (von wo aus übrigens alle Attraktionen zu Fuß erreichbar sind, wenn ihr nicht gerade mit High Heels das Kopfsteinpflaster bezwingen wollt). In dem Viertel links des Tibers kann man eigentlich kaum was falsch machen: In den kleinen Gassen und an den hübschen Plätzen reihen sich Trattorien, Weinlokale und nette Bars aneinander – aber meine Highlights will ich trotzdem verraten: Echt gute italienische Küche haben wir in der „Osteria Numero 6“ genossen, Aperitivo, Abendessen und richtig nette Kellner bei „Grazia & Graziella“.



Aperitivo bedeutet: Drink bestellen und dazu Snacks aufs Haus bekommen.Wer dabei satt werden will, ist bei „Freni e Frizioni“ gut aufgehoben – eine ziemlich hippe Adresse am Anfang des Viertels: In der ehemaligen Autowerkstatt gibt es recht abgefahrene Cocktails und dazu ein Buffet aus Salaten, Humus, Gemüsesticks, Zimtäpfeln und noch viel mehr Dingen. Für die Premiumgetränke werden bis zu zehn Euro fällig, aber zusammen mit dem Essen kann es sich lohnen. 

Fast noch besser als Drinks und Buffet: die Atmosphäre. Auch unter der Woche richtig voll, die meisten Gäste stehen oder sitzen draußen, hocken sich auf Mauern oder Stufen, genießen den Abend und das Leben. Hier scheinen so viele Locals unterwegs zu sein, dass ich als Touri inkognito bleiben wollte – deshalb gibt es keine Fotos. Glaubt mir einfach: schön dort. 

Dolce Vita auf den Plätzen von Trastevere

Ich könnte noch ewig weiterschwärmen, beschränke mich aber auf einen letzten Tipp: Vergesst zwischendurch mal alle Reiseführer, alle Da-müsst-ihr-unbedingt-hin-Läden, alle Stadtpläne. Und lasst euch einfach treiben. Schlendert durch die Gassen, biegt dort ab, wo es euch gefällt, bekommt ein Gefühl für das Leben in dieser Stadt und für die Menschen, die hier wohnen. Zugegeben: Wir bleiben dabei immer die Touris (oder sagen wir besser: die Reisenden), die nur mal kurz vorbeischauen. Aber es fühlt sich echter an und es macht Spaß, einfach mal zu leben. 




Und wenn ihr dann abends zurück nach Trastevere kommt: Holt euch Bier, Wein oder Gelato auf die Hand, setzt euch auf die Brunnenstufen an der Piazza Santa Maria in Trastevere und schaut einfach zu. Dem römischen Leben, dem bunten Treiben, dem – ganz klassischen – Dolce Vita. 

Ich habe mir übrigens sagen lassen, dass die richtig angesagte Szene mittlerweile in Testaccio zu finden ist. Dahin habe ich leider nicht geschafft. Aber ich bin ja auch mehr so Südstadt als Ehrenfeld.

Sonntag, 15. Mai 2016

Lieblingsort – auch ganz allein: Das sabor 'ermoso in der Südstadt

Konzept-Café sabor ermoso in der Kölner Südstadt - Kurfürstenstraße

An meinem 30. Geburtstag hatte ich eine Verabredung mit mir selbst. Also nicht nur: Ich habe morgens meine Kollegen mit Kuchen beglückt und abends mit Freunden gefühlt 17 Flaschen Wein in der fabelhaften Bagatelle geleert. Aber am Nachmittag war ich ganz allein einen Kaffee trinken. Mit Absicht und nicht aus der Not heraus, wie mir manche Menschen mit mitleidigem Blick still unterstellten. Ich finde ja, man sollte das viel öfter machen am besten an einem Lieblingsort wie dem sabor 'ermoso in der Kurfürstenstraße.

Konzept-Café sabor ermoso in der Kölner Südstadt - KurfürstenstraßeKonzept-Café sabor ermoso in der Kölner Südstadt - KurfürstenstraßeKonzept-Café sabor ermoso in der Kölner Südstadt - Kurfürstenstraße


Warum? Weil es hier so gemütlich ist. Weil der Kaffee fantastisch ist. Weil es eine riesige Auswahl an leckeren Wostok-Limos gibt. Weil hier immer so viele Menschen sind, dass man sich nie so richtig allein fühlt aber trotzdem ganz für sich sein kann. Und weil man auf jedem Quadratzentimeter fühlt, dass kein Coffeeshop-Großkonzern dahintersteckt. Sondern dass hier jemand ziemlich viel Liebe investiert hat. Kategorie Traumerfüllung.

Der Laden im Surferstyle hat im letzten Jahr eröffnet und ist ein "Concept Café" hier gibt's nicht nur Kaffee, Kuchen, Bananenbrot und Frühstück, sondern auch Kunst und Events. Die meisten Dinge an der Wand kann man kaufen, regelmäßig veranstalten die Inhaber kleine Konzerte. Sonntagnachmittags und für freien Eintritt.

Konzept-Café sabor ermoso in der Kölner Südstadt - Kurfürstenstraße

Und es gibt im sabor 'ermoso noch eine Sache, die das Café von den vielen anderen des Veedels abhebt: einen Hinterhof. Wenn das Wetter tatsächlich mal schön sein sollte, kann man hier zwischen Backsteinwänden und Surfbrettern sitzen, Milchkaffee und Limo trinken.

Ich weiß gar nicht, ob Limo die richtige Bezeichnung ist aber ich mag das Wort, auch wenn es retro und nach viel Zucker klingt. Die Wostok-Variante Dattel-Granatapfel habe ich bei meinem letzten Besuch im sabor 'ermoso zum ersten Mal probiert. Fazit: Das Zeug ist wahnsinnig süß und ich noch unentschlossen. Während ich trank, dachte ich: Gut, das hast du jetzt mal getestet, das brauchst du nicht wieder. Aber je mehr Zeit vergeht, desto eher denke ich: So schlecht war's gar nicht.

Vielleicht ist es eine dieser Sachen, an die man sich erst gewöhnen muss. Oder doch einer dieser Fehler, den man immer wieder macht?

Konzept-Café sabor ermoso in der Kölner Südstadt - KurfürstenstraßeKonzept-Café sabor ermoso in der Kölner Südstadt - KurfürstenstraßeKonzept-Café sabor ermoso in der Kölner Südstadt - Kurfürstenstraße

Aber ich schweife ab und habe ohnehin genug gesagt den Rest können euch die Bilder erzählen. Oder ihr geht selbst mal vorbei, genießt die Gemütlichkeit, testet das Frühstück, die Scones oder eine Suppe. Klingt doch nach einem angenehmen Arbeitsauftrag und ihr dürft auch ruhig eure Freunde mitnehmen.

Die Alleinreisende auf dem Sessel hinten rechts, die bin dann vermutlich ich.

Mittwoch, 27. April 2016

Ohne Zucker - und fast ein Kuchen! Mein erstes Bananenbrot


Ich entschuldige mich im Vorfeld bei allen Menschen, die mit Rolf Zuckowski aufgewachsen sind (so wie ich). Denn sie werden am Ende dieses Textes einen Ohrwurm haben (so wie ich). 

Eigentlich wollte ich euch hier nicht mehr mit Rezepten nerven, schließlich findet man die im Internet an viel zu vielen Ecken und es gibt noch so viele schöne Dinge aus der Südstadt, über die berichtet werden will. Aber: Dafür müsste ich die Wohnung verlassen, frische Smoothies oder tollen Milchkaffee genießen, neue Fotos schießen, mit Leuten reden. Was ich stattdessen tue: Im Bett liegen, Tee trinken, nach verwendbaren Bildern suchen und still vor mich hintippen. Immerhin proftiert irgendwer davon: das Bananenbrot.


Was ihr dafür braucht: keinen Zucker! Toll, oder? Dafür aber: 3 sehr reife Bananen, 200 g Dinkelmehl (oder Roggen, wie es im Originalrezept steht, das ich in diesem schönen Blog entdeckt hab), 1/2 Teelöffel Zimt, 100 g Apfelmus (pur und ungezuckert), 1 Päckchen Backpulver, 2 Eier, 50 g gehackte Walnüsse. Und in meiner Variante kamen noch eine Handvoll gehackte Datteln dazu - muss aber nicht sein. 

Was ihr dafür tun müsst: Den Ofen auf 180 Grad Umluft vorheizen. Die Bananen mit einer Gabel zu Brei zerdrücken, alle Zutaten bis auf die Walnüsse dazugeben und mixen. Dann die Walnüsse unterheben und alles in eine Kastenform geben (die ihr vorher gemehlt und gefettet oder mit Backpapier ausgelegt habt). Das Brot muss etwa 40 bis 45 Minuten backen, testet am besten mit einem Stäbchen, ob es innen noch sehr matschig ist. Das war bei mir leider der Fall, es hätte noch ein paar Minuten mehr vertragen - aber geschmeckt hat's trotzdem. Und ich wurde sogar nach dem Rezept gefragt. 


Was ihr sonst noch wissen solltet: Ich habe etwas geschummelt. Die Bananen sollten reifer sein als auf dem Bild (aber das sah einfach so unappetitlich aus...) Da ist kein Zucker drin. Überhaupt keiner! Sagte ich das schon? Gut, deshalb heißt es möglicherweise auch Brot und nicht Kuchen. Aber ich habe mein allererstes Bananenbrot an meinem Geburtstag neben Möhren- und Schokokuchen serviert und was soll ich sagen? Ging weg wie nix. Ich könnte es glatt öfter backen - wenn der Ohrwurm nicht so penetrant wäre.

Wer ihn noch nicht hat, den versorge ich jetzt noch mit der passenden Melodie. Viel Spaß damit :-).




Sonntag, 3. April 2016

Raus aus Köln, ab nach Münster! Für diese Dinge lohnt sich's einfach


Manche Ideen kommen ganz plötzlich. Und dann sind sie besonders gut. 

So war es mit meinem spontanen Kurztrip nach Münster - und dem Bedürfnis, daraus einen Blog-Eintrag zu machen. Deshalb gibt es hier ausnahmsweise mal keine kölschen Inhalte. Und deshalb gibt es auch Fotos, die nur eben schnell mit dem Handy gemacht wurden. Bitte seht über die Qualität hinweg und schaut euch am besten alles selbst mal an. Ich verspreche: Es lohnt sich - und es ist gar nicht so weit. 

Am Wochenende wollte ich unbedingt raus. Irgendwohin, wo es besonders schön ist. Und als ich Freitagabend mit meinem Freund bei Sissi & Franz saß (der großartige Nachfolger des Alteburger Hofs, dazu bald mal mehr), fiel plötzlich der Entschluss: Münster! Auf in die alte Uni-Stadt - und weil sonst nichts anstand, direkt über Nacht. Von der Kölner Südstadt bis in die Münsteraner City sind es etwa 150 Kilometer, perfekte Entfernung für einen Kurztrip, oder? Also, wenn ihr mal rauswollt, fahrt nach Westfalen. Guckt euch natürlich das Schloss an. Den Prinzipalmarkt, den Aasee, die Promenade, den Domplatz (idealerweise mit bombastischem Wochenmarkt am Samstag). Das alles erklärt sich von selbst - ich möchte euch aber auch noch diese wirklich großartigen, nicht ganz so tourimäßigen (ja, dafür etwas hipstermäßigen) Plätze ans kölsche Hätz legen.


Für Mittagessen oder Süßes zwischendurch. Wenn man in der Ludgeristraße Hunger bekommt, ist es wie in der Schildergasse: Man findet nur Innenstadt-Lokale mit überteuertem und nicht wirklich gutem Essen. Zumindest für Münster habe ich eine fantastische Lösung entdeckt: Das Krawummel ganz am Ende der Straße, schon Richtung Aasee. Ein veganes Lokal mit hervorragenden Falafel-Tellern, richtig geilen Burgern, Süßkartoffelpommes - und auch allerlei anderem Zeug, das ich nicht probieren konnte. Richtig schön dort, richtig nett, richtig lecker. Man muss kein Veganer sein, um dort satt und glücklich zu werden.

Für den guten Schlaf. Wenn ihr auch über Nacht bleiben wollt, dann ist das Factory-Hotel am Germania-Campus eine gute Wahl. Es liegt zwar etwas abseits im Norden, ist aber ein ziemlich schickes Design-Hotel - und dafür gar nicht so teuer. Natürlich geil vom Style, viel Platz, schöne Bäder und einen ganz besonderen Service für Sportfreunde gibt's auch noch dazu: Den Fitness First Platinum-Club mit Schwimmbad und Wellness-Bereich direkt gegenüber können alle Gäste kostenlos nutzen. Hätte ich das mal vorher gewusst...
 

Auf diesem ehemaligen Brauerei-Gelände gibt's auch ziemlich gute Essens-Möglichkeiten: Mein absoluter Liebling schon aus Uni-Zeiten: Das Lido (von dem ich aus besagtem Grund kein Foto habe). Die Pizzeria gehört den Betreibern des in Münster legendären Lokals Mocca d'or, ich finde es aber von den Räumlichkeiten viel schöner, Pizza und Salat sind einfach fantastisch (möglicherweise mit Peperoni auf der Severinstraße vergleichbar, aber schon sehr, sehr weit oben).

Fürs gemütliche Frühstück. Nacht vorbei, neuer Hunger am Morgen? Dafür hab ich einen Laden entdeckt, den ich von Herzen abfeiern möchte: Das Café Dreiklang auf der Wolbecker Straße. Eröffnet von drei Studenten in einer ehemaligen Metzgerei - heute wird hier ganz viel vegan gegessen, aber zum Glück nicht nur. Aus der "Stullenschmiede" kommen belegte Brote mit hervorragenden Aufstrichen, dazu gibt's Joghurt mit frischen Beeren und Müsli oder im Glas serviertes Rührei - und Kaffee aus der berühmten roestbar (von der übrigens auch Frau Nora & Herr Max auf der Merowinger Straße beliefert werden). Einfach gemütlich, einfach großartig. 



Fürs hübsche Flanieren. Und wenn ihr dann satt und gestärkt noch ein bisschen frische Luft und Wasser wollt, dann ist der Hafen gar nicht weit. Natürlich gibt's auch hier einen Rheinauhafen-Effekt, viele schicke Gebäude wurden schon hochgezogen oder sind im Bau - aber der Industrie-Charme ist noch deutlich stärker vertreten als bei uns in Köln. Hier kann man einfach nur entlangschlendern oder auch sitzen, essen, trinken - im Sommer gibt's am Coconut-Beach sogar ein bisschen Strandfeeling mit Sand und ein paar Liegestühlen. 


Für noch mehr Wünsche. Das Gute an einer Stadt wie Münster: Nach zwei Tagen hat man eigentlich alles gesehen. Schade daran: Man kann gar nicht so viel essen, wie man überall einkehren möchte. Ich liefere trotzdem noch ein paar  Lokalitäten mit, die ich aus Blogs, vom Vorbeigehen oder von vorherigen Besuchen kenne: Teilchen & Beschleuniger auf der Wolbecker Straße, das Café Nachtisch auf der Kanalstraße, Rafaels Eismanufaktur am Bült, das Café Mamsell in der Hoyastraße und natürlich die roestbar, von der es mittlerweile mehrere Standorte gibt. Lasst es euch schmecken, lasst es euch gut gehen - und lasst euch auch einfach mal hinreißen.

Sonntag, 20. März 2016

Von Inspiration, tollen Menschen - und einem ziemlich schmalen Grat


Es gibt Menschen, die beeindrucken mich einfach. Die ziehen ihr Ding durch und glauben an das, was sie tun. Die stecken echtes Herzblut in ihre Arbeit - und strahlen aus, dass so etwas gut tut. Die gründen tolle Dinge wie WEARECITY und ziehen voller Leidenschaft immer neue Projekte auf (wie das PAPER, von dem ich euch schon an anderer Stelle vorgeschwärmt habe). Oder sie eröffnen einen wunderschönen Laden, weil sie schon immer davon geträumt haben.

Dieser Mini-Beitrag hat mit gleich zwei solcher inspirierenden Paare zu tun. Denn ich wollte auch mal wieder mit viel Leidenschaft, Energie und Inspiration an eine Sache herangehen - und habe es gewagt und geschafft, Teil der WEARECITY-Crew rund um Athenea und Simon zu werden. Was mich wirklich, wirklich freut. Und für meinen ersten Artikel besuchte ich Nora und Max, die Anfang des Jahres einen großartigen Café-Design-Shop in der Merowinger Straße eröffnet haben - und nebenbei gerade noch ihr drittes Kind erwarten. Wie gesagt: beeindruckend.
 

Weil es in dem Text um die Südstadt geht, weil ich so begeistert von all dem bin und weil ich all das mit euch teilen will, verlinke ich den Artikel einfach hier. Wenn ihr ihn anschauen mögt: bitte hier entlang. Es lohnt sich schon allein wegen der Fotos. Weil ich wusste, dass ein Profi dabei ist, habe ich nur mal schnell das Handy draufgehalten, verzeiht mir. Die echten Bilder stammen von Nathan Ishar (dessen Werk unter dem Titel PRAMUDIYA ihr euch hier ansehen könnt) und sind wirklich Welten entfernt von allem, was ich für einen eigenen südstadtgold-Beitrag jemals erschaffen könnte. Ich kann mich nur wiederholen: beeindruckend.

Nachtrag: Okay, gut - ich geh an den Text nochmal ran. Eigentlich war an dieser Stelle Schluss, aber ein paar Stunden Abstand und frische Luft machten mir plötzlich klar: Ich klinge wie ein kleines Mädchen, das die tollen Menschen mit großen Augen anhimmelt - und am liebsten genauso wäre. Deshalb füge ich noch schnell hinzu: Dem ist nicht so.

Ja, ich finde toll, was diese Menschen tun.

Aber:

Ich gehe lieber ins Café, als selbst eins zu besitzen. Für vogelfreie Kreativität liegt mir ehrlich gesagt zu viel an meinem 9-to-5-Job. Auch wenn der Grat schmal ist zwischen Begeisterung, vielleicht sogar Bewunderung und Auch-so-sein-Wollen: Eigentlich ist er immer da. Und wir machen viel zu oft den Fehler, ihn zu übersehen.

Mist, jetzt fühl ich mich plötzlich nach Wort-zum-Sonntag mit erhobenem Zeigefinger. Entschuldigt. Eigentlich wollte ich nur über guten Kaffee schreiben.

Sonntag, 6. März 2016

Mit Instagram der Achtsamkeit hinterhergejagt – und am Rhein gestrandet

 

Irgendwas ist mächtig schiefgegangen. Ich wollte doch nur achtsam sein auch wenn ich das Wort schon längst nicht mehr hören kann. Momente bewusst wahrnehmen, mit offenen Augen durch die Gegend, mein Veedel, meine Hood laufen. Und mit dem Handy dokumentieren, dass es mir ernst damit ist. Eigentlich hatte ich das Gefühl, dass es ganz gut läuft. Bis eines Abends plötzlich diese eine böse Frage kam:

Sag mal, bist du jetzt eigentlich Instagram-süchtig?

Aufgeflogen. Und zwar sowas von. Ich schob beschämt das Handy weg. Und das vielziterte "nichts bewerten"-Prinzip der Achtsamkeit half gar nicht. Ich bewertete. Und zwar mich selbst. Und zwar als: der Versuchung total erlegen. Jetzt bin ich auch so eine.

Aber es fühlt sich doch so gut an, wenn das kleine hübsche Kamerasymbol oben im Handy-Display erscheint, oder? Oh, da gefällt jemanden, was ich gepostet habe. Auch wenn ich denjenigen gar nicht kenne. Auch wenn es bei mir nur einen Bruchteil der sonst üblichen Likes gibt. Und auch, wenn ich das alles doch eigentlich nur für mich selbst tue. Für den Moment, in dem ich gerade bin. Und zwar nicht den, in dem ich auf der Couch sitze und nebenbei aufs Handy schiele.


Ich mag Instagram wirklich. Und ich halte auch viel von grundlegenden Prinzip der Achtsamkeit, schließlich ist die Idee auch beim Yoga essentiell. (Und nicht erst seit all den Büchern, Kursen und Coaches, die gerade so erfolgreich sind.) Aber Instagram und Achtsamkeit? So richtig gut passt beides für mich nicht zusammen. Natürlich halte ich die Augen eher offen und ich nehme auch mehr wahr. Aber es wird schnell zu einem Scannen der Umgebung: Was könnte ich jetzt fotografieren? Und sehe ich vielleicht schon was für morgen? Oder noch etwas besseres? Ich habe mich selbst schon mehrfach bei dem Gedanken erwischt: Jetzt lass doch einfach mal das Handy in der Tasche. Es passiert auch nichts, wenn du heute mal gar nichts postet.

Und ganz ehrlich: Mir kann niemand erzählen, dass die Vorzeige-Achtsame aus dem Flow-Buch an jedem einzelnen Morgen ganz zufällig ein tolles Hintergrund-Motiv für ihre Kaffeetasse findet, das mit ihren unendlich vielen Followern teilt und damit total in sich selbst ruht. Und dann nicht ständig schaut, wie viele Likes sie heute erzielt.

Das ist der Grund, warum es aktuell nicht jeden Tag ein Veedelsdetail auf meinem Instagram-Account gibt. Ich mag sie trotzdem, die Nahaufnahmen von den vielen Dingen, die man so oft übersieht. Ich werde sie auch weiterhin machen und zwar dann, wenn es sich anbietet, wenn ich gerade Lust drauf habe. Aber wenn nicht, dann nicht.


Ich hätte letzte Woche Samstag einen ganzen Monatsvorrat fotografieren können. Ich habe so viele Motive wahrgenommen aber ich wollte einfach mal ohne Handy sein. Es war fantastisches Wetter, ich bin allein zum Rhein spaziert, hab mich einfach in die Sonne gesetzt.

Erst wollte ich mir irgendwo einen Becher Kaffee holen oder ein Magazin. Oder wenigstens Musik hören. Damit ich nicht ganz so untätig dort sitze und vermutlich sonderbar wirke.

Aber ich habe es nicht getan. Sondern einfach gesessen, geguckt, die Sonne angehimmelt. Und ja, einfach mal auf das geachtet, was um mich herum passiert. Und dann, kurz bevor ich wieder aufgestanden bin, habe ich noch dieses eine Foto gemacht. Einfach, weil es so schön dort war.


Ich gebe zu: Das klingt jetzt viel größer, als es tatsächlich war. Und viel länger. Nach ungefähr einer Viertelstunde bin ich schon wieder weitergezogen. (Natürlich habe ich auf die Uhr geguckt...) Aber ganz ehrlich: Wann hast du das letzte Mal 15 Minuten lang einfach nur dagesessen?

So ganz ohne Menschen, Musik oder Magazin in der Hand? Und vor allem: ganz ohne Handy?